Kompensation

Bei unserem Bemühen um nachhaltiges Handeln liegt uns ein Aspekt besonders am Herzen: wir wollen einen Ausgleich für die von uns verursachten (bzw. nicht vermiedenen oder sogar unvermeidlichen) Emissionen schaffen. Diesen verstehen wir als eine Art ökologischer „Wiedergutmachung“ für den von uns verursachten Natur- bzw. Ressourcenverbrauch. Dabei verwahren wir uns ausdrücklich gegen den Missbrauch von Kompensationssystemen, wie ihn viele multinationale Konzerne vormachen. Wer am anderen Ende der Welt Klimaschutzprojekte finanziell unterstützt, erwirbt dadurch keineswegs ein „Recht auf Umweltverschmutzung“.

Wenn man sich die Frage nach dem Ziel einer solchen Kompensation stellt, kommt man zu einem vielleicht überraschenden Ergebnis: eine intakte Landwirtschaft schafft durch das Zusammenspiel sämtlicher Naturelemente (Sonne, Wind, Wasser, Erde, Pflanzen, Tiere) mit menschlicher Arbeit neue Lebensmittel, letztendlich neue Werte, die geeignet sind, unsere Bedürfnisse zu befriedigen.

Dabei wird vor allem der Gegensatz der Bio-Landwirtschaft zu allen anderen Wirtschaftssektoren deutlich, in denen zum Zwecke der Bedürfnisbefriedigung natürliche Rohstoffe und Ressourcen immer nur (ab-) genutzt und verbraucht werden (mit Ausnahme vielleicht des Sektors der regenerativen Energien). Unübersehbar ist aber auch der Unterschied der ökologischen von der konventionellen Landwirtschaft, die unsere Böden kontinuierlich auslaugt. Im Gegensatz dazu fördert die im ökologischen Landbau übliche Fruchtfolge die Humusbildung im Boden und erhöht dessen Potenzial, Kohlenstoff zu speichern und CO2 zu binden. Während konventioneller Ackerbau jährlich pro Hektar 202 kg Kohlendioxid freisetzt, kann sein biologisch orientiertes Gegenstück laut einer Studie 400 Kilogramm dieses Treibhausgases pro Hektar und Jahr binden.

Zudem verzichten die Biobauern, wie bei Darlegung der Grundsätze des Bio-Landbaus beschrieben, auf den Einsatz synthetisch produzierter Kunstdünger, deren Herstellung sehr energieaufwendig ist. Stattdessen binden sie Leguminosen wie z.B. Ackerbohne, Erbse oder Klee, in ihre Fruchtfolge ein, um so auf natürlichem Wege eine Anreicherung des Bodens mit Stickstoff zu erreichen. Diese Effekte schlagen sich auf alle biologisch erzeugten Lebensmittel durch.

Klimabilanz biologisch erzeugter Nahrungsmittel

Eine Studie zur vergleichenden Klimabilanz biologischer und konventioneller Lebensmittel zeigt eindeutige Resultate:


Milchprodukte (biologisch vs. konventionell) 10 – 21% weniger CO2-äq pro kg Milch

Weizenbrot (bio vs. konv.) 25 % weniger CO2-äq pro kg Brot

Gemüse (bio vs. konv.) 10 – 35 % weniger CO2-äq pro kg Frischgemüse


Die durchweg bessere Klimabilanz von Bio-Produkten ist offensichtlich. Erzielt wird sie neben den bereits erwähnten Besonderheiten des Ökolandbaus u.a. durch Verzicht auf Kraftfutterimport aus südamerikanischem Soja (im Falle der Rinderzucht bzw. Milchproduktion), Verzicht auf Tiefgefrieren und späteres Wieder-Aufbacken (im Falle von Bio-Brot) und durch Verzicht auf energieintensive Gewächshauskultur (im Fall des Gemüseanbaus).

Weitere Verbesserungen seiner Klimaschutzwirkung erzielt der Bio-Landbau durch Komposteinsatz im Gemüsebau, durch die Einhaltung humusschonender Fruchtfolgen und durch Güllebindung in der Stall-Einstreu.

Darüber hinaus hat die Lebensmittel-Produktion im Bio-Landbau die geringsten ökologischen „Nebenwirkungen“ aller Sektoren, denn ein Recycling landwirtschaftlicher Abfälle ist – im Gegensatz zum Stoffkreislauf aller anderen Produkte – ohne jede Negativwirkung möglich. Ihre Wiederverwertung, z.B. als organischer Dünger, ist sogar notwendig. Dagegen ziehen alle „Veredelungsprozesse“, die Rohstoffe zu hochkomplexen Industrieprodukten synthetisieren, den Abbau weiterer Rohstoffe nach sich – sofern keine erneuerbaren Energien eingesetzt werden. Die industrielle Produktion steht deshalb für Abbauprozesse und Naturverbrauch. So verarmen so die natürlichen Lebensgrundlagen, die die Voraussetzung für eine stetige Erneuerung der Natur bilden. Allein die biologische Landwirtschaft bemüht sich, diese Lebensgrundlagen bewusst zu pflegen und in die Zukunft zu tragen.

Würdige Adressaten von Kompensationszahlungen

Angesichts dieser Überlegungen spricht alles dafür, dass die Landwirtschaft im Allgemeinen und die biologische im Besonderen eine berechtigte Empfängerin von Kompensationszahlungen sein sollte. Die OIKOPOLIS-Gruppe wählt deshalb die Adressaten von CO2-Kompensationszahlungen so aus, dass der Mitteleinsatz der unmittelbaren Umwelt am meisten dient. Zur Zeit sind das Bio-Lëtzebuerg – Vereenegung fir Bio-Landwirtschaft Lëtzebuerg asbl und IBLA – Institut fir Biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg asbl. So kommen die Mittel primär der Region zugute, deren biologische Produkte ihrerseits in die Wertschöpfungskette einfließen, an der BIOG, NATURATA und die anderen OIKOPOLIS-Betriebe beteiligt sind.

Für die nächsten Jahre ist daran gedacht, zunächst einen Fonds einzurichten, später vielleicht sogar eine Stiftung, in den bzw. die gegebenenfalls auch andere Unternehmen eine direkte Kompensationszahlung einbringen können. Durch die so gesammelten Mittel können dann auch andere Initiativen mit dem gleichen Ziel gefördert werden.