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Ökologie
Jede landwirtschaftliche Tätigkeit steht in direkter Beziehung zur Natur, zu Boden, Wasser, Luft und Sonne und zur so hervorgebrachten Nahrungskette Pflanzen-Tiere-Menschen. Je nachdem, wie wir Landwirtschaft betreiben, fördern oder schädigen wir diese natürlichen Grundlagen.
Pluspunkte der Bio-Landwirtschaft
Die Biolandwirtschaft achtet auf einen geschlossenen Kreislauf zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Durch angepasste Fruchtfolgen mit organischen Rückständen aus den Pflanzen sowie Dünger von biologisch ernährten und artgerecht gehaltenen Tieren wird ein Humusreservoir aufgebaut, das CO2 im Boden bindet und somit „unschädlich“ macht. Zudem ist ein humusreicher Boden gut durchlüftet. So kann er viel Wasser speichern und Extremwetterlagen abfedern: bei Überschwemmungen nimmt er Wasser auf, das in Trockenzeiten als Reserve verfügbar ist. Deshalb gehen beim Biolandbau Bodenschutz, Grundwasserschutz und aktiver Klimaschutz Hand in Hand.
Im Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft verzichtet Biolandbau zudem auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide. So wird die vielseitig abgestimmte Mikroflora im Boden nicht gestört, und es werden weniger bis keine Nitrat- und Pestizidrückstände aus dem Boden ausgewaschen.
Weitere Positiveffekte kommen hinzu: Während der Einsatz mineralischer Dünger und synthetischer Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel die Artenvielfalt gefährdet, wird beim Biolandbau gerade die Vielfalt der Arten genutzt, um z.B. Schädlingsaufkommen in Grenzen zu halten. Auch der hohe Energieeinsatz für die Herstellung stickstoffhaltiger Mineraldünger wird beim Biolandbau eingespart. Auch die Gentechnik mit ihren unbekannten Einflüssen auf alle Naturreiche ist im Biolandbau strikt verboten.
In der Biolandwirtschaft werden die Nutztiere respektiert. Statt viele Tiere auf engem Raum zu halten und sie später langen Transportwegen auszusetzen, haben die Tiere im Biolandbau ausreichend Platz und adäquate Bedingungen, um angeborenes und erlerntes Verhalten auszuleben. Sie werden mit biologisch angebautem Futter ernährt, was den Verzicht auf antibiotische und hormonelle „Leistungs“förderer mit einschließt. Kranke Tiere werden, sofern möglich, mit Naturheilverfahren gepflegt. Transportwege werden prinzipiell auf einem Minimum gehalten.
Bio-Richtlinien als OIKOPOLIS-Mission
Die Bio-Verbände und auch die EU haben diese Grundsätze in komplexe Bio-Richtlinien eingearbeitet, die als Basis für die Überprüfung der Betriebe gelten. Diesen Grundsätzen sind auch die in der Bio-Bauere-Genossenschaft Lëtzebuerg zusammengeschlossenen Landwirte verpflichtet.
Auch die anderen aus der BIOG hervorgegangenen und mit ihr vernetzten OIKOPOLIS-Betriebe sind den Idealen der Biolandwirtschaft verbunden. Sie alle betrachten es als zentralen Auftrag, die Naturgrundlagen pfleglich zu erhalten und in diesem Sinne ökologisch nachhaltig zu wirtschaften.
Im heutigen Wirtschaftsleben lassen sich aber negative Auswirkungen auf die Natur nie ganz vermeiden. Daraus leitet die OIKOPOLIS-Gruppe besondere Verantwortung ab und hat in diesem Sinne eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Tudor-Institut initiiert.
- Tudor Projekt
Auch die Betriebe der OIKOPOLIS-Gruppe nutzen Maschinen, Geräte, Fortbewegungs- und Transportmittel. Energie wird verbraucht, es entstehen Abfälle – bei den OIKOPOLIS-Betrieben selbst, aber auch beim Verbraucher, der von diesen erzeugte oder in Verkehr gebrachte Produkte konsumiert. Durch all diese Prozesse werden Treibhausgase oder zumindest –potenziale frei gesetzt, d.h. Kohlendioxid wird in die Atmosphäre entlassen oder diese mit CO2-Äquivalenten belastet.
Diese Tatsache wollen wir nicht einfach hinnehmen, sondern Lösungen finden, die die Umweltschäden so gering wie möglich halten. Dabei streben wir eine vergleichende Betrachtung an. Nur so lassen sich weitere Verbesserungspotenziale finden – von der Optimierung der Kühlungsprozesse und der Verringerung des Abfallvolumens (einschließlich der Nutzung kompostierbarer Verpackungen) über Versuche mit der Elektromobilität bis zum Bezug von Naturstrom aus erneuerbaren Energien.
Diese und zahlreiche weitere Maßnahmen im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit dokumentiert die OIKOPOLIS-Gruppe seit 2011 zusammen mit dem Centre de Recherche Public (CRP) Henri Tudor. Das gemeinsam entwickelte Datenwerkzeug wurde retroaktiv auf die Jahre 2008 ff. angewandt, so dass Energieverbrauch und –einsparung in der OIKOPOLIS-Gruppe über mehrere Jahre hinweg verfolgt werden können.
Dabei sind verschiedene Betrachtungsweisen möglich, denn das „Tudor-Tool“ erlaubt neben dem Blick auf die Emissionswerte der gesamten OIKOPOLIS-Gruppe auch deren Sortierung nach Standorten, Unternehmen (z.B. NATURATA, BIOG, BIOGROS) oder aber einzelnen Emissionsfaktoren wie Strom- und Wasserverbrauch, Fuhrpark oder Abfallaufkommen. So können wir zusammen mit den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des Forschungszentrums die Wirksamkeit unserer Einzel-Maßnahmen im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit überprüfen.
Da die OIKOPOLIS-Gruppe ihr Nachhaltigkeitsstreben als Prozess versteht, wird auch das Tudor-Tool kontinuierlich weiter entwickelt. Auf verschiedenen Ebenen und in mehreren Gremien – intern wie auch mit externen Partnern – arbeiten wir das OIKOPOLIS-Konzept der Nachhaltigkeit weiter aus und setzen die daraus ableitbaren Maßnahmen Schritt für Schritt um. Dies gilt für strukturelle Maßnahmen ebenso wie für die messbaren Energiesparmaßnahmen, deren Dokumentation uns das Tudor-Tool erlaubt.
Doch unsere Zusammenarbeit mit dem Tudor-Institut erschöpft sich nicht in der Entwicklung und gemeinsamen Konfiguration einer Dokumentations- und Analyse-Software. Unter anderem wird die OIKOPOLIS-Gruppe sich in Zusammenarbeit mit der Tudor-Abteilung für Umwelttechnologien Centre de Ressources des Technologies pour l’Environnement (CRTE) Henri Tudor an einer EU-INTERREG-Studie zum Thema Nachhaltigkeit beteiligen. Der Startschuss hierfür ist bereits gefallen.
- Unsere CO2-Bilanz
Soziale, geistige und ökonomische Aspekte der Nachhaltigkeit sind für das Selbstverständnis der OIKOPOLIS-Gruppe und deren Handeln wichtig, aber nur schwer zu belegen. Umso mehr freut es uns, dass wir bei der ökologischen Nachhaltigkeit in einer besseren Lage sind. Dank einer langjährigen Kooperation mit dem öffentlichen Forschungszentrum Henri Tudor verfügt die OIKOPOLIS-Gruppe über ein Datenwerkzeug, das Dokumentation und Analyse unseres CO2-Ausstoßes und damit unseres „globalen Fußabdrucks“ bzw. unseres „Carbon Footprints“ in der globalen Umwelt ermöglicht.
Dabei können Gesamtvolumen und einzelne Emissionsfaktoren getrennt nach Betrieb (NATURATA, BIOGROS, OEKimmO, Äppelhaus, OIKO-Consulting) oder aber in ihrer Summe als CO2-Ausstoß der gesamten Gruppe betrachtet werden.
Interessant ist dabei auch das prozentuale Verhältnis der einzelnen Emissionsfaktoren zueinander.
Schon quantitativ ist, wie die Grafik zeigt, der Bereich Mobilität bzw. Transport der wichtigste Faktor in der CO2-Bilanz der OIKOPOLIS-Gruppe. Das Tudor-Tool weist „Fuhrpark“ und „Mitarbeiterfahrten“ (zwischen Wohnort und Arbeitsplatz) getrennt aus, doch vom Grundsatz her gehören diese zusammen. Seit Beginn der Tudor-Erfassung blieb der gemeinsame Anteil beider Faktoren am CO2-Fußabdruck der Gruppe nahezu unverändert: 59% im ersten Jahr der Erfassung (2008), 61% im letzten Berichtsjahr (2012). Wegen des kontinuierlich hohen prozentualen Anteils an den von der OIKOPOLIS-Gruppe verursachten CO2-Emissionen lohnt sich hier die Suche nach Optimierungspotenzialen ganz besonders.
Der Energieverbrauch im engeren Sinne (Gas und Strom) fällt demgegenüber um ein Vielfaches kleiner aus. Doch obwohl er „nur“ 5 – 8% des gesamten OIKOPOLIS-Emissionsvolumens verursacht, analysieren wir auch diesen Emissionsfaktor sehr sorgfältig, denn hier gibt es dank moderner Technik besonders vielfältige Steuerungsmöglichkeiten.
Der mit Volumenanteilen zwischen 21 und 35% ebenfalls erhebliche Emissionsfaktor „Abfallaufkommen“ wiederum verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er sowohl innerhalb als auch außerhalb der OIKOPOLIS-Betriebe zu Buche schlägt. Müll entsteht ja nicht nur an den Produktions-, Verarbeitungs- und Verwaltungsstätten unserer Unternehmen, sondern die dabei erzeugten, verarbeiteten und verpackten oder auch nur in Verkehr gebrachten Produkte hinterlassen beim Endverbraucher ja ebenfalls (Verpackungs-)Abfall. Aus gutem Grund haben die Betriebe der OIKOPOLIS-Gruppe deshalb ein detailliert ausgearbeitetes Wertstoff-, Verpackungs- und Abfallmanagement, das fortlaufend optimiert wird.
Alle drei genannten Emissionsfaktoren unterzieht der im September 2013 erstmals erschienene Nachhaltigkeitsbericht der OIKOPOLIS-Gruppe einer ausführlichen Analyse. Dabei wird auch die Entwicklung zahlreicher Einzelaspekte durch tabellarisch aufbereitetes Zahlenmaterial transparent. Darum soll es an hier jedoch nicht gehen. Im Folgenden wird nur eine Auswahl emissionsmindernder oder –vermeidender Maßnahmen genannt, die wir bereits ergriffen haben, um die ökologische Nachhaltigkeit unseres Handelns zu optimieren.
- Emissionsfaktor Mobilität
In der CO2-Bilanz der OIKOPOLIS-Gruppe ist der Bereich Mobilität bzw. Transport (von Waren, aber auch Personen, z.B. zum Arbeitsplatz) seit Jahren der größte Faktor. Mitarbeiterfahrten – gleich ob mit dem privaten PKW, per Bus oder Bahn – generieren dabei einen doppelt so hohen Ausstoß an Kohlendioxid wie der Lieferverkehr des gesamten Fuhrparks. Steuerungsmöglichkeiten auf Betriebsseite sind deshalb limitiert. Anreizsysteme zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nutzen wenig, wenn diese nicht zur Verfügung stehen oder den Arbeitsweg unzumutbar verlängern würden.
Umso mehr bemühen wir uns, im Bereich unseres eigenen Fuhrparks Optimierungspotenziale zu suchen. Dank Leasingsprinzips sind alle von uns genutzten Lieferfahrzeuge neueren Baujahrs und fast durchweg mit einer speziellen Technologie zur Abgasnachbehandlung ausgerüstet, die die aktuelle Emissionsschutz-Norm Euro 5 noch unterbietet.
Energieintensiver Lieferdienst
Bei Analyse der im Tudor-Tool dokumentierten Verbrauchsdaten fällt ein überproportionaler Anstieg des Dieselverbrauchs durch NATURATA seit 2010 auf (2.242 l in 2010, 3.389 l 2011, 7.735 l 2012). Der von 2011 bis 2012 mehr als verdoppelte Treibstoffverbrauch (und demzufolge CO2 –Ausstoß) erklärt sich durch die Einführung des Hauslieferdienstes NATURATA Bio@Home im Jahre 2011. 2012 ist dieser stark gewachsen. Zudem sind seine immer zahlreicheren und längeren Fahrten sehr energieintensiv, denn ein Teil des Transporters wird für Tiefkühlware genutzt. Dieser Ladebereich muss also auf Minusgrade gekühlt werden.
Der energetische Negativeffekt unseres boomenden Hausliefer-Diensts scheint deshalb unbestreitbar. Dennoch ist nachweislich nichts so energieintensiv wie ein Einzelprodukt, das der Kunde – in aller Regel mit dem Privatwagen – im Laden oder direkt ab Hof kauft. Die Bündelungseffekte von Sammellieferungen und Transporten en gros liegen auf der Hand, denn der absolut hohe Treibstoffverbrauch relativiert sich gegenüber dem Einzeltransport quasi „von selbst“. Doch dieser Effekt genügt uns nicht.
Alternative Antriebe
Die OIKOPOLIS-Betriebe streben danach, auch im Bereich der Automobilität technisch auf dem Laufenden zu bleiben. Deshalb hat die NATURATA SA Mitte 2013 ein Elektroauto als Firmenwagen angeschafft. Bald zehn Bio-Marchés und Hofläden werden vom OIKOPOLIS-Zentrum Munsbach aus verwaltet – und natürlich immer wieder besucht.
Für solche und andere Kurzfahrten bzw. Kleintransporte nutzen die MitarbeiterInnen der NATURATA nun, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, das neue „E-Car“. Der firmeneigene Kompaktwagen, ein Renault Zoë im individuellen NATURATA-Design, fährt ressourcenschonend und geräuscharm durchs Land und wird mit 100% Ökostrom betrieben. Dafür sorgt die firmeneigene Ladestelle in Munsbach, wo die OIKOPOLIS-Gruppe ausschließlich Strom aus regenerativen Energieträgern bezieht.
Wir hoffen dass uns der Versuch mit der Elektromobilität auf dem eingeschlagenen Weg weiterbringt. Bei der Emissionsvermeidung waren wir nämlich bereits anderweitig erfolgreich. So konnte die Emissionszunahme im Transportsektor (übrigens auch dank gestiegener Auftragsvolumina bei BIOGROS) durch Energieeinsparungen in anderen Bereichen mehr als ausgeglichen werden: der Umsatz der OIKOPOLIS-Gruppe wächst stärker als die durch ihn erzeugten Schadstoffausstöße. Auch im Verhältnis zur Geschäftsfläche in Quadratmetern und zur Mitarbeiterzahl entwickelt sich der Emissionsausstoß der OIKOPOLIS-Gruppe unterproportional. Mit anderen Worten: die OIKOPOLIS-Maßnahmen zur Energieeinsparung greifen.
- Emissionsfaktor Energieverbrauch
Die Einflussmöglichkeiten der OIKOPOLIS-Gruppe auf die Umweltwirkungen der von OIKOPOLIS-Betrieben genutzten Gebäude sind begrenzt. Wie im Transportbereich können Energieeinsparungen auch hier nur dort vorgenommen werden, wo die Eigentumsverhältnisse es zulassen. Grundsätzlich entsprechen alle von der OIKOPOLIS-Gruppe (mit-)geplanten Gebäude dem zur Bauzeit bestmöglichen Energiestandard. Allerdings ist bis heute das Gros der von der OIKOPOLIS-Gruppe genutzten Gebäude in Fremdbesitz. Hier sind (noch) ungenutzte Optimierungspotenziale vorhanden.
Gebäudekonstruktion
Bisweilen kann man jedoch auch in Mietobjekten Einfluss auf die energetische Optimierung nehmen. Dies belegt z.B. die 2011 von NATURATA kofinanzierte Sanierung der NATURATA-Filiale Dudelange. Dort haben ein neu montiertes isoliertes Dach und eine aufwendig teilisolierte Außenwand die Aufwände für Kühlung und Heizung nahezu halbiert.
Auch am Standort „Wallenborn“ im Industriegebiet Niederanven ist dieser Punkt von Interesse. Die Isolationsschicht an den Wänden der dort von uns eingerichteten Kühlhäuser misst statt der gesetzlich vorgeschriebenen 100 ganze 130 mm. Auch in der 2013 eröffneten NATURATA-Filiale Esch/Belval wurden von Anfang an exzellente Energiewerte erzielt. Die dort erstmals von NATURATA umgesetzte Abwärmenutzung via Fußbodenheizung ist in mehrfacher Hinsicht vorbildlich. Zum einen erreichte das betreffende Gebäude als erster Industriebau Luxemburgs die Energie-Effizienzklasse B. Zum andern konnte die Abwärmenutzung via Fußbodenheizung bei den folgenden Bauprojekten der Gruppe (Kass- und Meyers-Haff) noch weiter entwickelt werden, um via „Betonkern-Aktivierung“ weitere Einsparpotenziale zu erzielen. Gegenüber der klassischen Fußbodenheizung genügt hier eine um fünf Grad Celsius niedrigere Warmwassertemperatur, um dieselbe Raumlufttemperatur zu erreichen.
Auf Fragen der Gebäudekonstruktion hatte die OIKOPOLIS-Gruppe vor allem bei der Planung des Firmensitzes in Munsbach Einfluss, dessen erster Bauabschnitt 2001 eingeweiht wurde, währen der zweite von 2006 datiert. Sowohl im Sinne der Menschen, die diese Gebäude nutzen, als auch zum Wohle der umgebenden Natur kamen hier möglichst schadstoffarme Materialien zum Einsatz. Als nachwachsender Rohstoff war Holz dabei das Hauptbaumaterial der Wahl – für die Ständerkonstruktion ebenso wie für Fensterrahmen, Wand- und Deckenverkleidungen bis hin zur Dachkonstruktion.
Aufsehen erregte seinerzeit auch as Energiekonzept des OIKOPOLIS-Zentrums, das auf eine Kombination von Photovoltaik, ozonneutraler Ammoniak-Kälteanlage und adiabatischer Gebäudeklimatisierung setzt. Zwei kleinere Blockheizkraftwerke, die neben der Wärmegewinnung auch eigenen Strom produzieren können, Brennwertheizung und Erdwärmetauscher taten ein Übriges, um die ökologische Ausrichtung der Gebäudetechnik preiswürdig zu machen: schon bald nach der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts erhielt das OIKOPOLIS-Zentrum für seine nachhaltige Gesamtausrichtung den „Prix spécial – Fonds Nova Naturstrom 2007“. Auch wenn Fachleute einzelne Aspekte dieses Konzepts heute etwas anders beurteilen, hatte das Maßnahmenbündel Vorbildcharakter für energiesparendes, ressourcenschonendes und insofern nachhaltiges Bauen.
Wärmetauschsysteme, Heiz- und Kühltechnik
So wichtig eine effiziente Heiztechnik für den Menschen ist, so zentral ist eine funktionierende Kühltechnik für die im Gebäude lagernden bzw. präsentierten Waren, sprich: Lebensmittel. Auch hier legt die OIKOPOLIS-Gruppe großen Wert auf fortlaufende Optimierung – unabhängig von der Anlagengröße.
Deshalb sind die Kühlräume der jüngeren NATURATA-Filialen ebenso mit drehzahlgeregelten Kompressoren ausgestattet wie die gewaltigen NIOGROS-Kühlhäuser am Standort „Wallenborn“. So wird die Kälteerzeugung durch die Regelung der Kondensationstemperatur im System optimal an den Bedarf (und die jeweilige Außentemperatur) angepasst. Das spart rund 10% Strom. Eingebaute Frequenzumformer verbessern den Wirkungsgrad der Motoren noch weiter: bis zu 5% Stromersparnis sind damit zusätzlich zu erreichen.
In den Ladengeschäften der NATURATA Bio-Marchés wurden die anfangs so „zeitgemäßen“ offenen Kühlmöbel mit Drehtüren nachgerüstet oder gegen geschlossene Systeme ausgetauscht, die dank LED-Beleuchtung noch mehr Energie sparen. Insgesamt hat die Neukonzeption der NATURATA-Laden-Kühlung Stromeinsparungen von bis zu 30% realisiert.
Beleuchtung
Für die Allgemeinbeleuchtung in den Räumlichkeiten der OIKOPOLIS-Betriebe gilt dasselbe wie für die moderne Kühlschrankbeleuchtung: wo immer möglich, wurde bzw. wird die energieintensive Altbeleuchtung durch stromsparende und langlebige LED-Technik ersetzt. Dazu hat die OIKOPOLIS-Gruppe sich bereits 2011 im Sinne einer freiwilligen Selbstverpflichtung entschlossen, obwohl die Leuchtmittelverordnung der EU Übergangsphasen bis 2016 vorsieht.
Natürlich stellt sich auch bei der Wahl der Leuchtmittel zum Teil die Frage nach den Eigentumsverhältnissen des betreffenden Gebäudes. Aber wo NATURATA-Filialen Einfluss auf die Lichtplanung haben, kommen grundsätzlich diejenigen Leuchtmittel zum Einsatz, die dem jeweils aktuellen Stand der Technik am besten entsprechen – vor allem in Punkto Lichtausbeute und Energieeffizienz.
Ökostrom
Energieeffizienz ist für die OIKOPOLIS-Gruppe, wie beschrieben, ein zentraler, mit allen verfügbaren Mitteln anzustrebender Wert, aber dennoch kein „Wert an sich“. Es kommt nicht nur auf die Quantität der verbrauchten Energie an, sondern auch auf deren Qualität.
Alles Energiesparen hilft wenig, wenn die verbrauchte Energie Raubbau an der Natur betreibt, also aus nicht wieder herstellbaren (fossilen) Brennstoffen besteht oder das Risiko potenziell naturzerstörender Unbeherrschbarkeit birgt wie die Atomenergie. Deshalb ist den OIKOPOLIS-Betrieben auch die Unterstützung regenerativer Energien ein zentrales Anliegen. Die erstrebte Energie-Einsparung kann unserer Meinung nach nicht ohne dieses Anliegen gedacht werden.
Deshalb hat die die OIKOPOLIS Participations sich Ende 2012 mit rund 16% an der Hëpperdanger Wandenergie SA beteiligt, die ihrerseits mit 25% aller Anteile Teilhaberin der landesweit wichtigsten Windpark-Betreiberin Wandpark Hengescht SA ist. So können wir eine gewisse Kompensation für den zum Teil noch immer unvermeidlichen Verbrauch an fossiler Energie durch die verschiedenen OIKOPOLIS-Betrieb gewährleisten und gleichzeitig mithelfen, das Angebot von so genanntem „Ökostrom“ in Luxemburg zu erhöhen. Zum Thema Kompensation gibt es im übrigen ausführliche Überlegungen in der OIKOPOLIS-Gruppe.
Die OIKOPOLIS-Gruppe selbst hat den von ihr bezogenen Strommix bereits 2008 komplett auf Strom aus regenerativen Quellen umgestellt. Wo immer die Eigentumsverhältnisse des jeweiligen Gebäudes es zulassen, verfolgen wir diese Strategie weiter. So konnte die OIKOPOLIS-Gruppe allein im Jahr 2012 durch den Bezug von Ökostrom 483,96 Tonnen CO2-Äquivalent einsparen.
- Emissionsfaktor Abfallaufkommen
Hochweißes „Frischfaser“-Papier verbraucht Naturressourcen nicht nur durch Verwendung des Grundstoffes Zellulose (= Holzfasern). Nach jedem Produktionsschritt, insbesondere aber nach dem Bleichen, muss das entstehende Abwasser unter Verwendung von Sauerstoff gereinigt werden. Da dieser durch pflanzliche Photosynthese entsteht, verbraucht die Herstellung von Frischfaserpapier auch auf diesem Weg natürliche Ressourcen. Deshalb wird in der OIKOPOLIS-Gruppe schon seit Jahren fast ausschließlich Recyclingpapier verwendet. Lediglich für Außenpublikationen und bestimmte Verpackungen nutzen wir zum Teil noch Frischfaserpapier – jedoch nur solches, das „FSC-zertifiziert“ ist und somit nachweislich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.
Kompostierbare Verpackungen
Am nachhaltigsten wäre es mit Sicherheit, Verpackungen ganz zu vermeiden. Das ist aber schon aufgrund der Gesetzeslage unmöglich, weil z.B. Hygienevorschriften bestimmte Anforderungen an Lebensmittelverpackungen stellen. Der Schwerpunkt der von OIKOPOLIS-Betrieben in Umlauf gebrachten Verpackungen liegt bei Obst und Gemüse, das von BIOGROS für die Cactus-Supermärkte verpackt wird, und bei den Obst- und Gemüsetüten, die den KundInnen der NATURATA-Läden zur Verfügung stehen. Anforderungen an Haltbarkeit, Hygiene und Transparenz, aber auch der Maschineneinsatz im Verpackungsprozess, haben die Komplexität des Verpackungswesens immer weiter erhöht. Nur Papiertüten zu verwenden ist heute genauso unmöglich, wie reine Pfandsysteme unpraktikabel sind.
Kunststoffe sind aber in aller Regel aus Erdöl-Derivaten hergestellt und vernichten deshalb unwiederbringliche Naturressourcen. Zudem akkumulieren sie sich in Naturkreisläufen und sind zum Teil sogar giftig. Unter Berücksichtigung all dieser Punkte differenzieren wir sorgfältig: Materialien mit PCB (Polychlorierte Biphenyle, die so genannten „Weichmacher“) sind für uns tabu, weil chlorhaltige Substanzen chronisch giftig sind und sich in der Nahrungskette anreichern. Von PE- (Polyethylen-) und PP- (Polypropylen-) haltigem Verpackungsmaterial ist nichts dergleichen bekannt. Zudem können beide – im Gegensatz zum „Sondermüll“ mit PCB – rückstandslos verbrannt werden. Da die Abwärme der Müllverbrennungsanlagen mittlerweile ins Fernwärmenetz eingespeist wird, gelangen dabei nur noch vergleichsweise geringe Emissionen in die Atmosphäre.
Trotzdem sind PE- und PP-Folien für uns als mineralölbasierte Kunststoffe bestenfalls „zweite Wahl“. Leider ist es teilweise schwierig, sie durch echte (recycelbare) Alternativen zu ersetzen – vor allem bei Produktverpackungen, die besonderen Hygienevorschriften unterliegen, wie z.B.im Fall von portioniertem Frischfleisch und –geflügel.
Bei anderen Produktverpackungen greifen wir auf Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen zurück. Hauptbestandteil dieser biobasierten Kunststoffe ist das so genannte Polylactid (PLA), das auch als Polymilchsäure bekannt ist. Mittlerweile wird fast das gesamte Obst- und Gemüse-Sortiment der Marke BIOG in kompostierbaren Folien, Beuteln, Schalen und Netzen auf Pflanzenstärke-Basis angeboten.
Dafür ergibt sich hier das Dilemma, Lebensmittel für andere Zwecke zu verbrauchen als für die Ernährung von Menschen. Zudem ist der Mais, aus dem ein großer Teil der Pflanzenstärke gewonnen wird, oft genmanipuliert. Zumindest das schließen wir bei der Herstellersuche systematisch aus. Darüber hinaus entsprechen unsere Bio-Tüten und –Folien der EU-Norm für kompostierbare Wertstoffe, dem so genannten „Keimling“-Standard.
Mehr zur Kompostierbarkeit sämtlicher von BIOG, BIOGROS und NATURATA Luxemburg eingesetzten Etiketten, Klebstoffe und Druckerfarben in der Verpackungscharta der OIKOPOLIS-Gruppe
Verwertungskreisläufe und Abfallmanagement
Sowohl BIOGROS als auch NATURATA handeln nicht nur mit Produkten der OIKOPOLIS-eigenen BIOG-Marke, sondern sind auch für solche Produkte anderer Hersteller „verpackungsverantwortlich“, die sie nach Luxemburg importieren bzw. hier vertreiben. Als so genannte „Erst-Inverkehrbringer“ von Verpackungen auf dem Luxemburger Markt sind die OIKOPOLIS-Töchter BIOG, BIOGROS und NATURATA Mitglieder des VALORLUX-Rücknahme- und Recycling-Systems.
Die Teilnahme an diesem System belegt der auf den Packungen aufgedruckte Grüne Punkt. Für ihn entrichten die jeweils „verpackungsverantwortlichen“ Unternehmen anteilige Beiträge an das gemeinsame, von der VALORLUX betriebene Rücknahmesystem. Die VALORLUX asbl organisiert und finanziert in Abstimmung mit Recyclingcentern, privaten Sammeldiensten, Gemeinden und Regionalstrukturen die Sammlung, Trennung und Wiederverwertung der mit dem Grünen Punkt gekennzeichneten Verpackungen. 2012 hat die EU-Kommission das System „Blauer Sack“ („Éco-Sac“) als vorbildliche Erfolgsmethode („Best Practice“) zur Abfallvermeidung ausgezeichnet.
Darüber hinaus pflegen alle OIKOPOLIS-Betriebe und-Verwaltungsstandorte als Nutzer von Großgebinden eine stark ausdifferenzierte Mülltrennung, um alle nur denkbaren Roh- bzw. Wertstoffe einzeln auszusortieren. Nach dieser „Vorarbeit“ nimmt sich die „Superdreckskëscht fir Betriber“ der zur Revalorisierung bereitstehenden bzw. –liegenden Groß- und Umverpackungen an, holt sie ab und führt sie einer Wiederverwertung zu.
Für organische Abfälle, die z.B. bei BIOGROS und im NATURATA-Restaurant anfallen, gibt es einen eigenen Verwertungskreislauf. Der auch als „Bioman“ firmierende Landwirt Marc Mangen sammelt vertragsgemäß sämtliche Obst-, Gemüse- und Küchenabfälle der OIKOPOLIS-Gruppe an deren einzelnen Standorten ein, verwertet sie in seiner Biogasanlage in Flaxweiler und nutzt das entstehende Biogas in seinem eigenen Betrieb. Leider fließt dieser Positiveffekt bislang nicht emissionsmindernd in unsere per „Tudor-Tool“ berechnete CO2–Bilanz ein.
Zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs der betrieblichen Müllentsorgung gibt es am Standort Munsbach (OIKOPOLIS-Zentrum inclusive BIOGROS) ebenso wie in allen NATURATA-Filialen jeweils eine Person, die für das „Abfall-Management“ verantwortlich ist. Darüber hinaus trägt sie zu einer allgemeinen MitarbeiterInnensensibilisierung in Fragen der Nachhaltigkeit bei.

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