Verantwortung

2011, zum zehnjährigen Bestehen der OIKOPOLIS-Gruppe, haben MitarbeiterInnen und AktionärInnen zusammen mit Genossenschaftsmitgliedern der BIOG das längst praktizierte Leitbild der Gruppe in vier Kernpunkten zusammengefasst: „Agri-Kultur“, „Faire Zusammenarbeit“, „Soziales Miteinander“ und „Bildung“. Dieses Wertequartett definiert die Quintessenz der OIKOPOLIS-Kultur und des von ihr gepflegten Verständnisses von Nachhaltigkeit.

Essentiell ist dafür u.a. ein „soziales Miteinander“ innerhalb des Betriebs, das der fairen und kooperativen Zusammenarbeit nach außen entspricht und diese intern erfolgreich ergänzt. Zum korrekten innerbetrieblichen Miteinander gehört unter anderem, dass jede/r MitarbeiterIn die Chance hat, Initiativen im Sinne des Ganzen einzubringen. Von zentraler Bedeutung ist aber auch die Beteiligung der MitarbeiterInnen am Kapital und Ertrag der Unternehmensgruppe.

Seit Gründung der BIOG-Genossenschaft im Jahre 1989 wurden für alle OIKOPOLIS-Betriebe Rechtsformen gewählt, die sicherstellen, dass es keine einseitig private Eigentümerschaft am Unternehmen geben kann. Dieser Grundsatz gilt selbst für Kapitalgesellschaften. Seit Schaffung der OIKOPOLIS Participations SA im Jahr 2005 sind die Eigentumsverhältnisse so angelegt, dass sowohl die Produzenten innerhalb der BIOG-Genossenschaft als auch die Initiativträger innerhalb von OIKOPOLIS sàrl sowie MitarbeiterInnen und KonsumentInnen (als AktionärInnen) sich die Eigentümerschaft teilen.

Hierarchie und Eigen-Verantwortung in Balance

Für die MitarbeiterInnen beschränkt sich die Möglichkeit der Partizipation aber nicht auf eine rein finanzielle Beteiligung durch Aktienkauf bzw. –schenkung. Sie können – und sollen – sich auch inhaltlich einbringen. Die Möglichkeit dazu haben sie in satzungsgemäß definierten Gremien, aber auch über statuarisch nicht festgelegte Organe mit beratender Funktion.

So besteht die Geschäftsleitung der OIKOPOLIS Participations SA seit einer Satzungsänderung 2012 aus Aufsichtsrat und Vorstand. In den Aufsichtsrat wurden sechs Personen bestellt, die die Anliegen der Aktionäre vertreten und nicht ins Tagesgeschäft eingreifen. Dem Vorstand wiederum obliegt die operative Leitung des Unternehmens, insbesondere die der drei hundertprozentigen Tochtergesellschaften BIOGROS, NATURATA und OEKimmO. Hier werden die Entscheidungen getroffen und auch gegenüber dem Aufsichtsrat verantwortet.

In den ersten Aufsichtsrat wurden für jede Aktionärsgruppe zwei Personen berufen – von der BIOG-Genossenschaft über die OIKOPOLIS sàrl bis zu den Privatktionären. Der neu gebildete Vorstand wiederum besteht aus vier Personen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten: Sonny Gottal (zuständig für Verwaltung und Mediation), Roland Majerus (Finanzen und Controlling), Jos Houtmann (Mitarbeiter und Weiterbildung) und Änder Schanck (Kommunikation, Strategie und Marketing). Letzterer ist auch Vorsitzender des Vorstands.

Auch die Entscheidungsfindung in den Aktiengesellschaften der OIKOPOLIS-Gruppe – NATURATA, BIOGROS und OEKimmO – ist partizipativ angelegt. Deren Verwaltungsräte wurden um beigeordnete Mitglieder aus allen Tätigkeitsbereichen des jeweiligen Betriebs erweitert. Diese können Anliegen der MitarbeiterInnen in die Beratungen des Verwaltungsrates einbringen – ungeachtet der Existenz traditioneller Mitarbeitervertretungen („Betriebsräte“). Wegen der flachen Kommunikationsstrukturen aller OIKOPOLIS-Betriebe sind diese nämlich kaum gefordert. Dennoch werden die OIKOPOLIS-Betriebe nicht basisdemokratisch geführt. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam beraten und vorbereitet, aber von denjenigen getroffen, die die Folgen einer solchen Entscheidung auch verantworten müssen.

Transparenz und Dialog bei der Entscheidungsfindung

Das Prinzip der erweiterten Verwaltungsräte ist trotzdem essentiell für das Selbstverständnis der OIKOPOLIS-Gruppe. Im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit setzt es, ebenso wie das satzungsgemäß verankerte Vorstandsprinzip auf zusätzliche Gremien, die dem Verwaltungsrat der jeweiligen SA beratend zur Seite stehen. Über die rein rechtliche Basis pflegt die OIKOPOLIS-Gruppe insofern auch eine soziale und in diesem Sinne integrative Führungskompetenz.

Doch der erweiterte Verwaltungsrat ist kein bloßes Kommunikationsinstrument, denn er verkörpert das OIKOPOLIS-Verständnis von Solidarität und Kooperation. In diesem Sinne unterstützt den Vorstand der OIKOPOLIS Participations neuerdings auch ein erweiterter Beratungs-, Strategie- und Koordinationskreis, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller drei Kernbetriebe vertreten sind.

Partnerschaftlichkeit nach außen

Entscheidende Fragen im Interesse aller Betroffenen gemeinsam zu diskutieren, ist ein Prinzip, das die OIKOPOLIS-Gruppe auch extern anwendet, z.B. bei den so genannten Rundtisch-Gesprächen. Ursprünglich vom Demeter-Bond Lëtzebuerg initiiert, werden diese heute von OIKOPOLIS organisiert und bringen neben BIOG, BIOGROS und NATURATA auch andere Marktteilnehmer und Konsumenten an den Tisch, um z.B. Preisfestlegungen zu treffen. Mehr dazu im Unterpunkt Ökonomie

Ebenfalls an gemischt sozial-ökonomischen Zielen orientiert sich der Netzwerk-Gedanke, der die OIKOPOLIS-Gruppe zunehmend prägt. Finanzielle Beteiligungen der OIKOPOLIS Participations SA an diversen Kleinbetrieben mit verwandter Ausrichtung stärken diese in wirtschaftlicher Hinsicht, fördern das Grundprinzip assoziativen Wirtschaftens und zielen auf eine Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die entstehenden Synergien haben deshalb nicht nur monetäre Effekte. Sie ermöglichen ein vertieftes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge bei der Entstehung und Verteilung eines Produkts.